Entdenkungsreisen


Block & Bleistift
28 Oktober 2010, 15:10
Filed under: Ausgegraben & Abgestaubt | Schlagwörter: ,

Trifft mein Stift auf Papier feiern alter Freunde Wiedersehen
und wenn es dunkel wird, hörst Du sie leise erzählen.
Wenn die beiden sich zuprosten,
tauschen sie zu vorgerückter Stunde Anekdoten aus
und lauschen Fußnoten:
„Hast Du den Buntstift gesehen?
Der war ja Spitz wie Nachbars Lumpi,
und der hat nicht mal ‘nen Radierer,
Du, der macht es ohne Gummi.
Ach übrigens, ‘nen schönen Gruß vom Briefkopf,
und hab ich schon erzählt,
ich hab ‘n Date mit einer Seite von Notizblock;
hab im Daumenkino Karten für heut‘ Abend bestellt
und mit’n Anzug gekauft, ‘nen echten Faber-Castell.
So ‘nen schicken schwarzen, mit Goldbuchstaben eingraviert,
ich hoffe, ich gefalle ihr und sie ist nicht so kleinkariert.
Na ja, ich muß jetzt los, wir beide sehen uns morgen.
Ich wünsch‘ Dir Hals- und Minenbruch.“ –
„Und ich Dir Eselsohren.“
So hörte ich jahrelang zu,
fasziniert von den zwei,
und der Stift blieb unberührt und das Papier noch immer weiß.

Doch eines Abends hörte ich die Seite heulen:
„Bleistift, ich bin so einsam, dass ich schon von Schreibschrift träum‘.
Gestern sah ich im Spiegel, dass ich allmählich vergilbe,
als unbeschriebenes Blatt, mit keiner einzigen Silbe.“
„Hör auf zu jammern,“ sagte der Bleistift.
„Denk nur, was aus uns beiden alles werden kann,
solange Du noch weiß bist.
Wenn wir es richtig anfangen machen wir Karriere;
ein Blatt, richtig beschriftet, macht aus Pennern Millionäre.
Die Menschen glauben an uns,
mit dem richtigen Stempel tanzen sie heut‘ nach unser Pfeife,
und morgen ihre Enkel.
Und bitte, was ist denn der Menschheit größtes Erbe?
Die Skizzen Picassos, die Bibel, Goethes Werke?
Ob Einsteins Theorien oder Beethovens Neunte,
die wirklichen Schöpfer waren doch stets unsere Freunde.
Jungs wie Du und ich sind Meisterwerke in Spe,
egal ob chlorfrei gebleicht, mittelweich oder 6B“
Da fing ich an zu schreiben, denn sie wurden übermütig,
und ein paar Stunden später war vom Bleistift nichts mehr übrig.
Und auch das Blatt Papier hatte jetzt andere Sorgen,
denn hörst Du diesen Text, dann weißt Du,
mehr ist aus ihm nicht geworden.
„Dann gib mich wenigstens ins Altpapier.“
murmelte das Blatt am Ende meiner letzten Strophe beleidigt.
„Ich glaube nicht an Reinkarnation“,
hab ich ihm entgegnet, und es danach im Ofen beseitigt.

Blumentopf  – Block & Bleistift (1999)

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Vorfreude
26 Oktober 2010, 13:21
Filed under: Ich, die Welt und alles dazwischen, Kurzgedanken | Schlagwörter: ,

Ein Kribbeln wie von einem statisch geladenen Polyestertuch. Lächelnde Lippen die dauernd Lieblingsmelodien summen. Die Füße tippeln ungeduldig unter dem Schreibtisch herum. Der Blick wandert zur Uhr, bleibt hängen – Augen starren, wollen den Zeiger antreiben. Die Zeit vergeht langsam, doch jede Minute ist ein kleiner Sieg.

Wärst Du doch nur schon hier



Ich schreibe wie…
19 Oktober 2010, 12:31
Filed under: Ich, die Welt und alles dazwischen, Kurzgedanken | Schlagwörter: , ,

…Nietzsche, Freud oder Rilke.

Bei FAZ.net kann man seinen eigenen Schreibstil analysieren lassen. Meiner kommt laut des Coding Robots den oben genannter Herren nahe. Interessant.
Lässt man Rilke weg sehr… wegweisend. Schlummert in mir auch ein philosophierender Psychoanalytiker? Oder tut er das in uns allen?

Keine Ahnung – ich mag den Schreibstilanalysator.
Lustig und so…

 

p.s.: Dieser Text kommt anscheinend eher nach Goethe. Aha.



Wasser – H₂O
15 Oktober 2010, 13:10
Filed under: Ich, die Welt und alles dazwischen, Kurzgedanken | Schlagwörter: , , ,

Die chemische Formel von Wasser ist einfach: H₂O. Das weiß hierzulande jeder.
Allerdings ist dieses Reinstwasser für Menschen nicht als Trinkwasser nutzbar. Ihm fehlen viele Zusätze von Calcium-, Magnesium-, Carbonat-, Hydrogencarbonat- und Sulfat-Ionen und bestenfalls auch Eisen und weiteren Mineralien.

Nur so wird aus reinem H₂O das erfrischende Nass mit dem wir unseren Durst stillen, Körper- und Haushaltshygiene betreiben und so weiter.

Die Formel für die Weltbevölkerung scheint ähnlich einfach: MenschX.
Aber diese Masse an Menschen ist nicht die Menschheit. Ihr fehlen viele Zusätze von Weltanschauungen, Religionen, Philosophien, Ansichten, Einsichten, Hautfarben, Nationen, Stämmen, Völkern, Sprachen, Dialekten, Kulturen und vielem mehr.

Nur so wird aus den Menschen dieser multinationale und multikulturelle Topf an Erfahrung und es entstehen unendliche Möglichkeiten zum Austausch und zur Zusammenarbeit, zum gemeinsamen Handeln, zum gemeinschaftlichen Denken.

So wenig wie für viele Menschen gesundes Trinkwasser selbstverständlich ist, so wenig ist es für viele andere der gesunde Umgang miteinander.
Vielleicht können wir beides ändern.



Elfchen-Stöckchen
14 Oktober 2010, 12:28
Filed under: Kurzgedanken, Stöckchen

Hier mal wieder ein schönes Stöckchen – aufgefangen hab ich bei Anj

Das Endprodukt des Stöckchens ist ein Elfchen-Gedicht, also ein Gedicht aus elf Worten. Die Regeln lauten wie folgt:

1. Zeile nenne eine Farbe (1 Wort)
2. Zeile nenne eine Sache, die diese Farbe hat (2 Wörter)
3. Zeile sage, was diese Sache tut, oder wo sie sich befindet (3 Wörter)
4. Zeile beginne diese Zeile mit dem Wort „ich“ (4 Wörter)
5. Zeile schreibe irgendein Wort (1 Wort)

 

grau

umgibst uns

Summe aller Farben

ich kann Dich ändern

bunt



Blog Action Day 2010 – Wasser
14 Oktober 2010, 12:13
Filed under: Ich, die Welt und alles dazwischen, Kurzgedanken, Uncategorized

Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Blog Action Day an dem sich Blogger rund um die Welt zu einem zentralen Thema äußern. Dieses Jahr: Wasser

Auch ich werde den Tag und das Thema Morgen nutzen um einige Gedanken zu diesem Thema zu verbreiten und somit auch wieder ins aktive Bloggerleben einzusteigen – zu erzählen habe ich derzeit auch wahrlich genug.

Bis Morgen!




Dyslexia and Me

Trials and Triumphs: A Lifetime's Experience with Dyslexia, Dyspraxia and Scotopic Sensitivity Syndrome.

Herzensköchin

Foodblog aus dem Süden von München mit alltagstauglichen Rezepten

Unerhörte Worte

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